15. Jun, 2016

Barcelona im Rückblick

Auch dieses Jahr fand wieder der jährliche internationale Leberkongress (ILC) der europäischen Fachgesellschaft EASL vom 13. - 17. April 2016 in Barcelona statt. Ein wichtiges Thema des diesjährigen ILC waren erste Daten aus der täglichen Praxis (Real-World Evidenz) zur interferonfreien HCV-Therapie bei chronischer Hepatitis C (CHC). Real-World Evidenz gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sie die Patienten in der täglichen Praxis sehr genau widerspiegelt und somit vorliegende Daten aus klinischen kontrollierten Studien, bei welchen der Patientenkreis durch Ein-und Ausschlusskriterien kleiner und spezifischer ist, sinnvoll ergänzt.

Unter anderen wurde Real-World Evidenz aus dem Deutschen Hepatitis C Register (DHC-R) vorgestellt, einem Patienten-Register mit 254 Studienzentren in Deutschland. Die ersten Ergebnisse zeigten, dass die interferonfreien HCV-Therapien bei  Patienten mit den HCV-Genotyp (GT) 1-4 ohne oder mit Leberzirrhose in der Regel auch unter Alltagsbedingungen eine gute Verträglichkeit und Wirksamkeit aufweisen. Einzelne Patientengruppen, bsp. HCV-GT2-Patienten, GT3-Patienten mit Leberzirrhose oder Patienten, die mit einer interferonfreien HCV-Therapie vorbehandelt wurden, bleiben jedoch nach wie vor schwierig zu therapieren.

Insbesondere für solche, schwierig zu behandelnden HCV-Patientengruppen ruhen die Hoffnungen derzeit auf sogenannten „Next Generation Therapie-Regimen“, welche auf meist neuen, weiterentwickelten Wirkstoffen zur interferonfreien HCV-Therapie beruhen. Diese „Next Generation Therapie-Regime“ waren ebenso ein weiteres Thema bei diesem Kongress. Diverse klinische Entwicklungsprogramme und frühe Studien bei Patienten mit HCV-Infektion vom GT1-6 wurden zu diesem Thema vorgestellt. Insbesondere Untersuchungen zur Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Therapieoptionen bei HCV-GT3 Patienten, Patienten mit vorangegangener interferon-freier HCV-Therapie sowie Patienten mit dekompensierter Zirrhose spielten eine wichtige Rolle. Ebenso wurden weiterführende Analysen bereits bestehender Studien vorgestellt, um mehr Wissen zu bestimmten Patientengruppen zu erlangen.

Aber auch Themen rund die Gesundheit der Patienten nach einer HCV-Therapie wurden vorgestellt. So spielte auch insbesondere die Frage eine Rolle, ob eine HCV-bedingte Leberfibrose bzw. Leberzirrhose nach erfolgreicher Therapie und Elimination des Virus fortbesteht. Eine Leberfibrose („Vernarbung“ des Lebergewebes) bildet sich bedingt durch die HCV-Infektion über einen Zeitraum von vielen Jahren in der Leber und kann im Endstadium zu einer Leberzirrhose führen. Studien aus verschiedenen Ländern ergaben nun, dass es aber nach erfolgreicher HCV-Therapie mehrheitlich zu einem Rückgang der Leberfibrose sowie zu einer Verbesserung der Leberfunktion kommt. Welche langfristige Bedeutung der Rückgang der Leberfibrose hat und ob sich die Leberfibrose komplett zurückbilden kann, werden zukünftige Studien zeigen.

Neue Erkenntnisse rund um die Thematik HCV, werden in einer speziellen Konferenz der EASL vom 23. - 24. September 2016 in Paris erwartet mit dem Titel „New perspectives in hepatitis C virus infection – The roadmap for cure“.

Quelle:
Der Bericht wurde uns dankenswerter Weise von der Fa. Abbvie zur Verfügung gestellt.